Antikriegstag 2026 … und Bayern rüstet auf

Aktuelles
, 1. September 2026

Der 1. September ist Mahnung und Verpflichtung

Am 1. September 1939 begann mit dem Überfall Nazi-Deutschlands auf Polen der Zweite Weltkrieg. Millionen Tote, zerstörte Städte, Vertreibung und unermessliches Leid folgten. Der Antikriegstag erinnert daran, wohin Militarismus, Feindbilder und die Vorstellung führen können, politische Konflikte ließen sich mit immer mehr Waffen lösen.

2026 bekommt diese Erinnerung eine bedrückende Aktualität:

Deutschland rüstet weiter auf.

Doch Deutschland soll nicht einfach nur „weiterrüsten“. Die Bundesregierung will die Bundeswehr zur stärksten konventionellen Armee Europas machen – unser Land soll bei der militärischen Aufrüstung an die Spitze Europas marschieren.

Die Bundeswehr soll personell wachsen, neue militärische Infrastruktur entsteht und junge Menschen werden wieder systematisch für den Wehrdienst erfasst. Bayern steht bei vielen dieser Entwicklungen in der ersten Reihe.

Militärischer Ausbau in Bayern

Allein 2025 wurden in Bayern 290 Millionen Euro für militärisches Bauen der Bundeswehr investiert. Dabei geht es nicht um ein paar renovierte Kasernen. Im Rahmen von G-CAP („German Armed Forces – Contractor Augmentation Program“), einem beschleunigten Bauprogramm der Bundeswehr für standardisierte militärische Infrastruktur, entstehen allein in Bayern an 28 Standorten 69 neue Gebäude – darunter Unterkünfte für Soldaten, Lehr- und Büroräume, Lagerflächen und weitere Infrastruktur für den personellen Ausbau der Bundeswehr. Bayern übernimmt außerdem Musterplanungen für mehr als zwanzig moderne Hallenschießanlagen. In Neubiberg wird die Infrastruktur der Universität der Bundeswehr ausgebaut, in Roth wurde sogar eine neue Infrastruktur für die Offiziersschule der Luftwaffe geschaffen.

Hinzu kommt die geplante Stationierung des israelisch-amerikanischen Raketenabwehrsystems Arrow 3 im Raum Kaufbeuren. Mit den sicherheitspolitischen Folgen dieser Stationierung haben wir uns in diesem Beitrag beschäftigt. Raketenstationierung im Allgäu macht Bayern zur Zielscheibe

Rüstungsindustrie in Bayern hat Vorfahrt

Seit Mai gilt außerdem das bayerische Gesetz zur Förderung der Verteidigungsindustrie.

Es erleichtert Bauvorhaben zur Entwicklung, Erprobung und Herstellung von Rüstungsgütern, stärkt die Interessen der Rüstungsindustrie in Landesplanung und Denkmalschutz und ermöglicht eine stärkere Förderung militärischer Forschung und der Umstellung von Produktionslinien.

Die Staatsregierung bezeichnet Bayern inzwischen stolz als Deutschlands führenden „Defense-Tech“-Standort: rund 200 Unternehmen, etwa 50.000 Beschäftigte und rund 9,5 Milliarden Euro Jahresumsatz. Allein 2025 floss laut Staatsregierung mehr als eine Milliarde Euro an Scale-up-Investitionen in bayerische Verteidigungsunternehmen. Unternehmen wie Helsing, Quantum Systems oder Tytan bauen ihre Kapazitäten aus. In Hallbergmoos plant Helsing eine neue Rüstungsfabrik mit einem Investitionsvolumen im dreistelligen Millionenbereich.

Weitere Infos aus dem bayerischen Kabinett hier.

Und Bayern produziert nicht nur für die Bundeswehr. 2025 wurden für Antragsteller mit Sitz im Freistaat Rüstungsexporte im Wert von 3,52 Milliarden Euro genehmigt, wobei allein auf Kriegswaffen rund 2,53 Milliarden Euro entfielen. Bayern gehört damit zu den wichtigsten deutschen Standorten des Rüstungsexports. 

Das Bundeswehrgesetz wirkt weiter

Die Verteidigungspolitik nimmt auch Schulen und Hochschulen immer stärker in den Fokus; zwar erklärte der Bayerische Verfassungsgerichtshof im März 2026 den Zwang zur Hochschulkooperation mit der Bundeswehr in wesentlichen Teilen für verfassungswidrig. Andere Teile des sogenannten Bundeswehrgesetzes bestehen jedoch fort – darunter die Zusammenarbeit von Schulen mit Jugendoffizieren. Darüber hat die Autorin ausführlich berichtet: Dämpfer für Bayerisches Bundeswehrgesetz

Erfassung, Musterung – und immer mehr Verweigerer

Seit Januar 2026 werden wieder alle 18-Jährigen angeschrieben. Männer müssen den Wehrdienstfragebogen beantworten; für Frauen ist dies freiwillig. Ab Juli 2027 sollen Männer des Geburtsjahrgangs 2008 verpflichtend gemustert werden. Dafür entstehen in Bayern vier Musterungszentren: Kempten, Nürnberg, Regensburg und Würzburg. Die Bayerische Staatsregierung fordert bereits, möglichst rasch die Voraussetzungen für eine sogenannte Bedarfswehrpflicht zu schaffen.

Bemerkenswert ist die Gegenbewegung: Bis Ende Juli 2026 wurden bereits 8.302 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung registriert – mehr als doppelt so viele wie im gesamten Jahr 2025 mit 3.879 Anträgen. 2022 waren es erst 951.

Frieden beginnt nicht erst zwischen Staaten

Der Antikriegstag erinnert uns daran, dass Frieden niemals selbstverständlich ist. Er muss verteidigt werden – aber nicht durch Aufrüstung. Sie darf niemals zur politischen Antwort werden. Sicherheit braucht Diplomatie, Rüstungskontrolle, gegenseitige Sicherheitsgarantien und die Bereitschaft, selbst mit Gegnern zu reden.

Dafür steht auch unser friedenspolitisches Selbstverständnis. Frieden nach innen und außen – die Positionen des BSW Bayern

 

Gestattet mir bitte bei diesem wichtigen Thema eine persönliche Anmerkung:

Für mich persönlich bedeutet „Antikrieg“ und damit Frieden noch mehr. Frieden ist kein Wort, das nur für Gipfeltreffen, Staatsgrenzen und große Weltpolitik reserviert sein darf. Frieden beginnt dort, wo Menschen einander zuhören, Unterschiede aushalten und Konflikte lösen, ohne aus dem Andersdenkenden einen Feind zu machen. Das gilt zwischen Völkern. Es gilt in unserer Gesellschaft. Und es gilt auch für uns selbst, in unserer eigenen Partei.

Am Antikriegstag wünsche ich mir deshalb, dass die „Waffen“ schweigen, am besten natürlich Frieden überall: in der Ukraine, in Gaza und überall dort, wo Menschen unter Krieg leiden. Frieden in unserem Land. Und Frieden im Umgang miteinander. Denn wer glaubwürdig für Frieden in der Welt eintreten will, sollte ihn auch selbst leben.

 

 

Text: Rebecca Hümmer

 

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