Chancengerechtigkeit. Auch 2026 in Deutschland noch eine Illusion

No pain, no gain – wer leistet, verdient sich seine Meriten, steigt gesellschaftlich und beruflich unweigerlich auf. Dieses Aufstiegsversprechen hält Deutschland nicht ein, denn die Chancen für den persönlichen Erfolg sind sehr ungleich verteilt.
Noch immer entscheidet die soziale Herkunft in erschreckendem Ausmaß darüber, welche Möglichkeiten ein Mensch hat, wie früh er hinter seinem Potenzial zurückfällt und wie weit er im Bildungssystem überhaupt kommen kann. Genau das zeigen aktuelle Studien und wir als BSW weisen seit unserer Gründung darauf hin. Nicht Begabung und Fleiß allein geben den Ausschlag, sondern oft der Geldbeutel der Eltern, das soziale Umfeld und der Zugang zu Förderung, Netzwerken und Unterstützung.

Herkunft und Milieu bestimmt – von Anfang an

Die Probleme beginnen nicht erst beim Abitur oder bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Sie entstehen früh und ziehen sich durch das gesamte Bildungssystem: von der Kita über die Schule bis hin zu Ausbildung und Hochschule. Kinder aus benachteiligten Familien starten häufig mit schlechteren Voraussetzungen, werden anders bewertet und erhalten seltener jene Chancen, die später über Bildungsweg und Lebensperspektive entscheiden, als Privilegiertere. Auch Bayern, das sich politisch gern als Bildungsland inszeniert, ist hier keineswegs Vorbild. Gerade im Freistaat zeigt sich, wie stark frühe Selektion, ungleiche Startbedingungen und soziale Herkunft noch immer über den Lebensweg mitentscheiden.

Falsche Prioritäten verschärfen das Problem

Hinzu kommt eine politische Fehlentwicklung, die die Lage weiter verschärft. Während Milliarden in Aufrüstung, Militarisierung und neue Wehrstrukturen fließen, fehlen sie bei Schulen, Kitas, Hochschulen, Jugendangeboten und kommunaler Infrastruktur. Wer es mit Chancengerechtigkeit ernst meint, darf Herkunftsnachteile nicht bloß verwalten, sondern muss sie aktiv zurückdrängen. Dafür braucht es Investitionen in frühe Förderung, starke öffentliche Bildungseinrichtungen, kostenarme oder kostenfreie Zugänge und eine echte Aufwertung beruflicher Bildung.
Rebecca Hümmer, Mitglied im BSW-Landesvorstand Bayern, hat diese Zusammenhänge in einem neuen Paper ausführlich aufgearbeitet. Darin werden aktuelle Studien, politische Entwicklungen und die daraus folgenden Konsequenzen für eine gerechtere Bildungspolitik eingeordnet. Das vollständige Paper steht hier zum Download bereit.

 

[Rebecca Hümmer]

Am 18. April 2026 wurde in München die bayerische Landesgruppe der AGBSW – Arbeit und Gewerkschaft beim BSW gegründet. Die Gründung erfolgte einstimmig und war von großer Aufbruchsstimmung, Geschlossenheit und Hoffnung geprägt.

Einstimmige Gründung als politisches Signal

Schon vor der Abstimmung wurde deutlich gemacht, worum es in Zukunft gehen soll: um bessere Arbeitsbedingungen, einen starken Sozialstaat, eine sichere Rente und ein politisches Miteinander, das soziale Gerechtigkeit und Friedenspolitik zusammendenkt.

Anschließend wurde die Gründung der AGBSW Bayern einstimmig beschlossen. Die Mitgliedschaft ist kostenlos und die Anmeldung erfolgt einfach über die auf der Website angegebene E-Mail-Adresse info@agbsw.de. Die Gründung ist ein Meilenstein; ein wichtiger Schritt, um die soziale Stimme im BSW weiter zu stärken.

Klaus Ernst: Wut reicht nicht, entscheidend ist gemeinsames Handeln

Den politischen Auftakt setzte Klaus Ernst; uns allen bekannt als langjähriger Gewerkschafter, ehemaliger Bundestagsabgeordneter, Landesvorsitzender des BSW Bayern und Mitglied des BSW-Bundesvorstands. Er machte deutlich, dass sich die AGBSW nicht nur mit Gewerkschaftsfragen im engen Sinn beschäftigen solle, sondern mit Sozialpolitik insgesamt.

Klaus Ernst sprach davon, dass viele Menschen aus berechtigter Wut über politische Fehlentwicklungen zum BSW gekommen seien. Wut allein sei aber keine Grundlage für erfolgreiche Politik. Entscheidend sei, gemeinsam zu handeln und politische Kraft zu entwickeln.

Zugleich verwies er auf die Bedeutung des wirtschaftlichen Modells, das Deutschland lange stark gemacht habe: geregelte Arbeitsbedingungen, Tarifverträge und eine Wirtschaft, in der Unternehmen ihre Gewinne nicht einfach über Lohndruck oder längere Arbeitszeiten steigern konnten, sondern auf Innovation setzen mussten. Ein vernünftiges Verhältnis zu den Gewerkschaften sei deshalb unverzichtbar.

Er benannte außerdem die Themen, über die das BSW in Gewerkschaften anknüpfen könne: Rente, Arbeitsbedingungen, soziale Sicherheit, die Lage von Beschäftigten, Rentnern und Arbeitslosen. Auch machte er deutlich, dass BSW-Mitglieder in Betriebsräten und Gewerkschaften wichtige Botschafter sein können. Am Ende dankte er ausdrücklich Rolf Staudt und Ralf Krämer für Initiative und Organisation.

Ralf Krämer: Aufrüstung gefährdet den Sozialstaat

Anschließend sprach Ralf Krämer, der auf Bundesebene im Sprecherkreis der AGBSW aktiv ist. Im Mittelpunkt seiner Rede stand die Warnung vor einer Entwicklung, in der Sozialstaat und öffentliche Daseinsvorsorge immer stärker unter Druck geraten.

Er zog eine düstere Bilanz und sagte, die Lage sei heute in mancher Hinsicht sogar schlimmer als in der Zeit der Agenda 2010. Besonders betonte er das drohende Rentenproblem für kommende Generationen. Aus seiner Sicht gibt es einen „Klassenkampf von oben“ mit zwei Stoßrichtungen: den Angriff auf soziale Sicherung und die massive Aufrüstung.

Die immer weiter steigenden Rüstungsausgaben blieben nicht folgenlos, so Krämer. Wenn Milliarden in militärische Infrastruktur und Aufrüstung fließen, dann fehlen diese Mittel an anderer Stelle – etwa bei Bildung, Sozialstaat, Rente oder Gesundheit. Der große Haushaltsposten „Arbeit und Soziales“ bestehe in erheblichem Maß aus Zuschüssen zur Renten- und Krankenversicherung. Wer dort kürzt, riskiere entweder höhere Beiträge oder konkrete Verschlechterungen bei Leistungen.

Besonders kritisch bewertete er, dass die Gewerkschaften in der Kriegs- und Friedensfrage bislang weitgehend versagt hätten. Umso wichtiger sei es, dass das BSW klar benenne, dass ein Sozialstaat auf Dauer nicht erhalten werden kann, wenn zugleich immer mehr Geld in Aufrüstung fließt. Investitionen in Bildung, Kitas, Hochschulen und öffentliche Infrastruktur seien dagegen echte Investitionen in die Zukunft.

Anton Salzbrunn: Beschäftigte stehen im Mittelpunkt – unabhängig von Herkunft

Anton Salzbrunn, Mitglied des Landesvorstands des BSW Bayern und langjährig gewerkschaftlich aktiv, setzte einen klaren Schwerpunkt auf die Lage der Beschäftigten. Er warnte davor, dass die AfD fälschlich als Arbeiterpartei wahrgenommen werde, wohingegen das BSW in seinem Potential verkannt werde.

Er stellte dem eine klare Haltung entgegen: Die Gegner der Arbeitnehmer seien nicht Kollegen aus anderen Ländern, sondern diejenigen, die in den Chefetagen sitzen und über Löhne, Druck und soziale Unsicherheit entscheiden. Die Beschäftigten müssten im Mittelpunkt stehen – unabhängig von Herkunft, Biografie oder Nationalität.

Zugleich machte Anton Salzbrunn unmissverständlich klar, dass es keine Zusammenarbeit mit der AfD auf irgendeiner Ebene geben dürfe. Das BSW sei nicht rechtsradikal, sondern stehe für soziale Gerechtigkeit, Solidarität und die Interessen der arbeitenden Menschen.

Im Anschluss an seine Rede folgte eine Aussprache über die aktuelle Situation der Beschäftigten.

Gewählte Funktionen

Gewählt beziehungsweise bestätigt wurden:

  • Rolf Staudt als bayerischer Sprecher der AGBSW
  • Anton Salzbrunn als stellvertretender Sprecher
  • Michael Six für die Öffentlichkeitsarbeit
  • Pascal Nicolas Käser als Vertreter der Jugend
  • Alexander Zamzow als Sprecher für Unterfranken
  • Anton Salzbrunn als Sprecher für Mittelfranken
  • Patrick Rostek als Sprecher für Niederbayern
  • Thomas Räder als Sprecher für Oberbayern
  • Hannelore Klug als Sprecherin für Schwaben

Für Oberfranken und die Oberpfalz konnten die Sprecherposten noch nicht besetzt werden.

Klaus Ernst zum Abschluss: Jetzt kommt es auf Präsenz und Verankerung an

Den Schlusspunkt setzte erneut Klaus Ernst. Er sprach offen über die derzeit schwierige Lage des BSW und machte er deutlich, dass die Antwort darauf nur in mehr Geschlossenheit, das Bündeln von Energie für das Vorantreiben von Gemeinsamkeiten, in Präsenz, mehr Engagement vor Ort und einer starken politischen Verankerung liegen könne.

Gerade darin die zentrale Botschaft dieses Gründungstages: nicht Rückzug, sondern Aufbau. Nicht Resignation, sondern neue Organisierung. Die Gründung der AGBSW Bayern war deshalb nicht nur ein organisatorischer Schritt, sondern ein deutliches Signal, dass im BSW die Hoffnung lebt, soziale Gerechtigkeit, gute Arbeit und Friedenspolitik wieder stärker zusammenzuführen.

Text: rh

600 Menschen feiern das BSW in Asbach-Bäumenheim

Manchmal gibt es Abende, an denen man spürt: Hier passiert gerade etwas Besonderes.

So ein Abend war es in der Schmutterhalle in Asbach-Bäumenheim.

Schon bevor Sahra Wagenknecht den Saal betrat, lag eine spürbare Spannung in der Luft. Rund 600 Menschen hatten sich versammelt – die Halle bis auf den letzten Platz gefüllt. Dann setzte der bayerische Defiliermarsch ein. Und als Sahra erschien, erhob sich der gesamte Saal. Kein Zögern, kein verhaltenes Klatschen – sondern stehender Applaus, rhythmisches Mitgehen, eine Welle der Begeisterung, die sich durch die Reihen zog. Sie schritt durch das Spalier der Besucher, und man konnte sehen: Dieser Moment berührte nicht nur das Publikum, sondern auch sie selbst.

Es war keine gewöhnliche Wahlkampfveranstaltung.
Es war ein Abend des Mutes.
Ein Abend der Klarheit.
Ein Abend des Aufbruchs.

Den ersten starken Akzent setzte Manfred Seel. Mit ruhiger Entschlossenheit und sichtbarer Überzeugung stellte er das Kommunalwahlprogramm für Asbach-Bäumenheim vor. Und man merkte sofort: Hier spricht keiner in leeren Phrasen. Hier spricht jemand, der weiß, wovon er redet – und der Verantwortung übernehmen will.

Sahra in Asbach Bäumenheim

Als er über Energie sprach, wurde es still im Saal. Er machte deutlich, dass Strom und Wärme keine Luxusgüter sind, sondern Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Sein Vorschlag war konkret und greifbar: 1.000 Kilowattstunden Grundversorgung pro Person und Jahr für unter 20 Cent. Eine faire Basis für jeden Haushalt. Bezahlbar. Sicher. Verlässlich. Und gleichzeitig ein klares Signal: Wer bewusst mit Energie umgeht, wird entlastet. Wer verschwendet, zahlt mehr. Das ist soziale Gerechtigkeit mit wirtschaftlicher Vernunft. Der Applaus zeigte, dass viele genau das hören wollten – Lösungen statt Schlagworte.

Seel sprach auch über solide Finanzen. Darüber, dass eine Gemeinde nicht mit Prestigeprojekten glänzen muss, sondern mit Verantwortung. Jeder Euro, so seine Botschaft, müsse den Menschen zugutekommen – nicht dem politischen Ego. Bildung, Infrastruktur, Pflege und Sicherheit seien wichtiger als jedes Symbolprojekt.

Besonders viel Zustimmung erhielt er, als er die Situation junger Familien ansprach. Gebührenfreie Kitas und der Ausbau der Ganztagsbetreuung seien keine Gefälligkeiten, sondern Investitionen in die Zukunft. Wer Familien stärke, stärke das Herz einer Gemeinde. Man sah in den Gesichtern vieler Eltern im Saal, wie sehr dieses Thema bewegt.

Auch die regionale Wirtschaft war ihm ein zentrales Anliegen. Kleine und mittelständische Betriebe, Handwerker und Selbstständige seien das Rückgrat von Asbach-Bäumenheim. Sie verdienten Unterstützung, keine bürokratischen Hürden. Wertschöpfung müsse vor Ort bleiben – damit Arbeit und Perspektive hier gesichert sind.

Als er über Senioren sprach, wurde seine Stimme noch persönlicher. Würdevolles Altern im eigenen Ort, Begegnungsräume, eine lebendige Ortsmitte – all das sei Ausdruck von Respekt gegenüber der Generation, die unsere Gemeinde aufgebaut hat. Eine Gemeinschaft, so Seel, zeigt ihren wahren Charakter daran, wie sie mit ihren älteren Mitbürgern umgeht.

Und schließlich sprach er über ein digitales Rathaus, das den Menschen dient – nicht sie von Amt zu Amt schickt. Verwaltung müsse helfen, nicht behindern. Auch hier spürte man: Das sind keine abstrakten Ideen, sondern konkrete Veränderungen, die den Alltag erleichtern sollen.

Dann trat Sahra Wagenknecht ans Rednerpult – und spannte den Bogen weiter. Von Asbach-Bäumenheim nach Berlin. Von der Gemeindehalle zur großen politischen Bühne.

Sie sprach über Prioritäten. Über Milliarden, die in Aufrüstung fließen. Über eine Politik, die immer neue militärische Verpflichtungen eingeht – während Kommunen um jeden Euro für Schulen, Pflegeeinrichtungen und Infrastruktur kämpfen müssen.

Mit klarer Stimme sagte sie, dass Frieden keine naive Forderung sei, sondern die Voraussetzung für soziale Stabilität. Dass eine Politik, die immer neue Waffenlieferungen beschließt, ohne ernsthafte diplomatische Initiativen voranzutreiben, am Ende nicht Sicherheit, sondern neue Unsicherheit schafft. Dass Aufrüstung keine Zukunftsperspektive ersetzt.

Sie machte deutlich: Jeder Euro, der in militärische Eskalation fließt, fehlt in unseren Städten und Gemeinden. Er fehlt bei der Sanierung von Schulen. Er fehlt bei der Ausstattung von Krankenhäusern. Er fehlt bei der Unterstützung von Familien und Senioren.

Dabei ging es nicht um einfache Parolen. Es ging um Verantwortung. Um die Frage, ob wir weiter Milliarden in militärische Logik investieren – oder ob wir endlich den Mut haben, auf Diplomatie, Deeskalation und eine europäische Friedensordnung hinzuarbeiten.

Mehrfach brandete Applaus auf. Man merkte: Viele Menschen sehnen sich nach einer Politik, die das Wort Frieden wieder ernst nimmt. Nicht als Schlagwort – sondern als Leitlinie.

Sahra verband diese Friedensperspektive mit der kommunalen Ebene. Denn was in Berlin entschieden wird, kommt in den Haushalten der Gemeinden an. Wenn der Bund Prioritäten falsch setzt, zahlen die Kommunen den Preis. Und damit die Menschen vor Ort.

Dieser Gedanke zog sich wie ein roter Faden durch ihre Rede:
Starke Kommunen brauchen Frieden.
Soziale Gerechtigkeit braucht politische Vernunft.
Und Vernunft heißt, Konflikte nicht weiter anzuheizen, sondern Wege zur Lösung zu suchen.

Ein besonders bewegender Moment war der gemeinsame Auftritt des gesamten BSW-Liste. Als Manfred Seel gemeinsam mit Sahra die Kandidatinnen und Kandidaten auf die Bühne holte, entstand ein kraftvolles Bild. Kein Einzelkämpfer, sondern ein geschlossenes Team. Menschen aus der Mitte der Gesellschaft. Entschlossen. Ernsthaft. Bereit, Verantwortung zu übernehmen.

Dieser Abend war mehr als ein Wahlkampftermin. Er war ein sichtbares Zeichen dafür, dass das BSW in Bayern gewachsen ist – organisatorisch, politisch und emotional. Die Menschen kamen nicht aus Neugier. Sie kamen, weil sie Hoffnung suchen. Weil sie Veränderung wollen. Weil sie Klarheit erwarten.

600 Menschen an einem Wochentag in einer Gemeindehalle – das ist kein Zufall. Das ist ein Signal.

Ein Signal, dass viele bereit sind für eine Politik mit Haltung.
Für soziale Gerechtigkeit.
Für wirtschaftliche Vernunft.
Für starke Kommunen.

Die Schmutterhalle hat an diesem Abend gezeigt: Der Wunsch nach Veränderung ist real. Jetzt liegt es an uns, diese Energie mitzunehmen – in die Gespräche, in die kommenden Veranstaltungen, in die Wahl.

Denn Aufbruch entsteht nicht von selbst.
Er entsteht, wenn Menschen sich zusammentun.
Und genau das ist an diesem Abend spürbar geworden.

 

Text: Jürgen Siebicke
Bilder: Elysion Elaine Photography


Mehr als 100 Gäste haben den politischen Aschermittwoch des BSW im Gasthaus Knott nahe Passau besucht. Der Saal war voll, die Stimmung aufmerksam und zugleich herzlich. Auch der Jugendverband JSW war sichtbar und gut vertreten. Und obwohl Amira Mohamed Ali und Fabio de Masi nicht aus Bayern stammen, fanden sich beide schnell in die Tradition des politischen Aschermittwochs ein: pointierte Zuspitzungen, klare Kante und dazwischen Humor, der die Botschaft nicht verwässerte, sondern auf den Punkt brachte.

Den Auftakt machte die Begrüßung durch Patrick Rostek (Mitglied im Landesvorstand BSW, Bezirksvorsitzender Niederbayern). Danach stellte Dr. Christiane Benisch (niederbayerische Co-Vorsitzende) die musikalische Begleitung vor, bevor Klaus Ernst (Mitglied im Bundesvorstand BSW, Landesvorsitzender BSW Bayern) mit einer kurzen Einordnung übernahm. Im Anschluss folgten die Hauptreden der Parteivorsitzenden Amira Mohamed Ali (Vorsitzende BSW) und Fabio de Masi (Vorsitzender BSW). Nach dem Schlusswort gab es Dank an das Organisationsteam und die Helfer vor Ort.

„Wir sind gekommen, um zu bleiben“

Patrick Rostek eröffnete den Abend als Gastgeber. Er ordnete den politischen Aschermittwoch bewusst dort ein, wo er hingehört: nicht in Scheinwerferhallen, sondern nah an den Menschen, mit direkter Sprache. Rostek begrüßte die Anwesenheit beider Parteivorsitzenden als Zeichen der Wertschätzung gegenüber Bayern. In seinem Grußwort nahm er die Kommunalwahlen in Bayern in den Blick: Neue und kleinere Parteien werden durch hohe formale Hürden ausgebremst, trotzdem wächst das BSW Schritt für Schritt – mit Bodenhaftung und klarer Linie – denn es ist, wie er sagt: „Wir sind gekommen, um zu bleiben!“

Die (wirklich!) kurze Rede von Klaus Ernst

Klaus Ernst, Mitglied im Bundesvorstand BSW und Landesvorsitzender BSW Bayern, hielt sich kurz, wie sein Vorredner mit einem Augenzwinkern bereits angekündigt hatte, wählte aber aussagekräftige Worte. Er dankte für die Unterstützung, unterstrich die Bedeutung davon, dass die Parteiführung geschlossen vor Ort ist, und setzte dann eine soziale Markierung: Wer Reformideen zur Finanzierung des Gesundheitssystems reflexhaft ablehnt, offenbare einen verlorenen sozialen Kompass. Seine Botschaft war der Übergabepunkt des Abends: Genau deswegen braucht es das BSW – als Kraft, die soziale Fragen wieder ganz oben auf die Agenda setzt.

„Quatschdebatten“: Amira Mohamed Ali über Spaltung, Alltagssorgen und falsche Prioritäten

Amira Mohamed Ali, Vorsitzende des BSW, fand sich schnell in den Ton des politischen Aschermittwochs ein: zugespitzt, humorvoll und gleichzeitig politisch sehr klar. Sie stieg mit lockerer Ansprache („Moin“) und einem Augenzwinkern ein und zeigte, dass so ein Aschermittwoch auch ohne bayerischen Dialekt funktioniert. Deutlich wurde sie dennoch und forderte einen Schlussstrich unter spalterischen Kulturkampfdebatten, die echte Probleme überdecken. Sie sprach über Rassismus im Alltag, aber auch darüber, dass man reale Integrations- und Sicherheitsprobleme benennen können muss, ohne reflexhaft in Schubladen gesteckt zu werden.

Den zweiten Schwerpunkt setzte sie bei sozialer Gerechtigkeit: Ob Kinder ein bezahlbares Mittagessen bekommen, ob Schwimmunterricht stattfindet oder ob Armut über Bildungschancen entscheidet, dürfe in einem reichen Land nicht vom Zufall abhängen. In Aschermittwoch-Manier ließ sie auch Seitenhiebe nicht aus: Aufregung über Lichterketten zum Ramadan oder über Schweinefleisch in Kitas sei nicht das Kernproblem – entscheidend sei, ob Familien überhaupt noch durch den Alltag kommen.

Politisch wurde sie sehr deutlich beim Umgang mit dem BSW: Ausgrenzung, „Schmuddelecke“, Etiketten statt Debatten – und die „Brandmauer“-Logik, bei der Inhalte zweitrangig werden, lehnte sie ab. Sie verband das mit dem Thema Wahlprüfung: Wenn es Zweifel und Fehler gibt, muss man prüfen und nachzählen lassen – Vertrauen entsteht durch Transparenz, nicht durch Abwiegeln. Am Ende verband sie das mit einem klaren Appell, denn nicht nur im Wahlkampf brauche es Geschlossenheit und Gemeinsamkeit:

„Wir müssen alle internen Konflikte, die es gibt, in diesen Wahlkämpfen hinter uns lassen und gemeinsam an einem Strang ziehen.

Das ist unsere gemeinsame Aufgabe. Liebe Freundinnen und Freunde, wir brauchen ein starkes BSW in diesem Land und zwar ganz dringend.“

„Wettschulden sind Ehrenschulden“: Fabio de Masi mit harter Kante und Aschermittwoch-Humor

Fabio de Masi, Vorsitzender des BSW, knüpfte direkt an die Aschermittwochsstimmung an und griff ein Motiv auf, das im Saal längst zum Running Gag geworden war. Beim letzten Politischen Aschermittwoch hatte er in Weißbierlaune angekündigt: Sollte das BSW durch die geforderte Neuauszählung doch noch in den Bundestag einziehen, werde er nackt über den Kurfürstendamm in Berlin laufen. Amira hatte in ihrer Rede daran erinnert und Fabio setzte direkt seine Pointe obendrauf: „Ich hatte gehofft, sie hätte es vergessen, so wie bei Olaf Scholz mit den Erinnerungslücken. Nein, aber da war nichts zu machen. Und deswegen ist natürlich klar, Wettschulden sind Ehrenschulden.“ Es geht ihm dabei allerdings nicht um die Show, sondern um eine Stimme für soziale Vernunft, wirtschaftliche Stabilität und Frieden, die in diesem Land dringend gebraucht wird.

Inhaltlich setzte de Masi bei den großen Themen an. Beim Punkt Wirtschaft und Energie kritisierte er eine Politik, die hohe Energiepreise in Kauf nimmt, Abhängigkeiten teuer verschiebt und damit Industriearbeitsplätze und Reallöhne gefährdet. Er warb außerdem für soziale Sicherung z. B. in Form einer Rentenkasse, in die alle einzahlen, und eines Gesundheitssystems, das gerecht finanziert wird, statt Leistungen zu kürzen. Hier würzte er seine Argumentation mehrfach mit zugespitzten Bildern, etwa wenn er Rechenfehler der Regierung aufs Korn nahm und die Debatte um „mehr schuften“ als weltfremd entlarvte. Zum Thema Demokratie und Debattenkultur verband er Steuerpolitik mit Demokratiefragen. Große Vermögen und Übergewinne müssten stärker in Verantwortung genommen werden, während Mittelstand und Beschäftigte entlastet werden sollten. Außenpolitisch plädierte er für Diplomatie, Abrüstungsverträge und eine nüchterne Friedenspolitik statt Angst-Rhetorik. Auch hier blieb er im Aschermittwoch-Stil: Die „Mehr arbeiten“-Rhetorik der Regierung drehte er pointiert um:

„Ich habe den Eindruck, wir haben eine Teilzeit-Regierung.“

Damit kritisiert er, dass Beschäftigte für angebliche Versäumnisse verantwortlich gemacht werden, während die Regierung naheliegende Entlastungen nicht liefert – etwa „die Stromsteuer zu senken“ – und stattdessen den Druck auf Arbeitnehmer erhöht.

Ein starkes BSW in Bayern

Der Tag bei Passau zeigte, wie gut sich klare Inhalte und Aschermittwoch-Humor verbinden lassen: pointiert, streitbar und zugleich nahbar. Mehr als 100 Gäste, eine spürbare Aufbruchstimmung und ein sichtbar aktives JSW haben deutlich gemacht: Das BSW steht in Bayern nicht am Anfang, sondern mitten im Aufbau – und geht mit Rückenwind gemeinsam stark voran!

Das Schlusswort gebührt denjenigen, die hinter den Kulissen hart daran gearbeitet haben, damit wir alle einen perfekten Aschermittwoch erleben konnten: Danke euch, Dennis Neubert und Patrick Rostek und allen anderen fleißigen Helfern!

 

Text: Rebecca Hümmer

Fotos: Johannes Hagnauer

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