Dämpfer für Bayerisches Bundeswehrgesetz

Update 03/26

Der Bayerische Verfassungsgerichtshof hat nun glücklicherweise einen zentralen Teil des bayerischen Bundeswehrgesetzes kassiert. Das Gericht entschied, dass der Freistaat Hochschulen nicht verpflichten darf, mit der Bundeswehr zusammenzuarbeiten. Eine solche Vorgabe verletze die Wissenschaftsfreiheit und überschreite außerdem die Kompetenzen des Landes, da Verteidigungspolitik grundsätzlich Sache des Bundes ist.

Andere Bestandteile des Gesetzes bleiben zwar bestehen – etwa Kooperationen von Schulen mit Jugendoffizieren oder die mögliche militärische Nutzung von Forschungsergebnissen. Der Versuch, Hochschulen stärker in militärische Strukturen einzubinden, hat jedoch einen klaren Dämpfer erhalten.

Wir vom BSW können dieses Urteil nur befürworten. Es zeigt, dass Kritik an einer zunehmenden Militarisierung von Bildung und Forschung nicht einfach verhallt, sondern auch lohnt.

„Dieses Urteil ist eine klare Ohrfeige für die Staatsregierung. Hochschulen sind Orte der Akademia der und der freien Wissenschaft – keine verlängerte Werkbank des Militärs. Dass der Versuch, Universitäten per Gesetz zur Kooperation mit der Bundeswehr zu drängen, gescheitert ist, ist ein wichtiges Signal für die Freiheit von Forschung und Lehre.“

Rebecca Hümmer, Mitglied im Landesvorstand BSW Bayern

Kriegsstimmung an bayerischen Schulen und Hochschulen

Im Juli 2024 verabschiedete der Bayerische Landtag das „Gesetz zur Förderung der Bundeswehr in Bayern“ und noch immer lässt ein größerer Aufschrei auf sich warten. Dieses Gesetz umfasst den Zwang auf Kooperation bayerischer Hochschulen mit der Bundeswehr, wenn dies „im Interesse der nationalen Sicherheit erforderlich ist.“ Außerdem werden Zivilklauseln an bayerischen Hochschulen verboten. Und zu allem Überfluss ist damit festgelegt, dass bayerische Schulen mit Jugendoffizierinnen und Jugendoffizieren der Bundeswehr zusammenarbeiten. Verweigerung der Zusammenarbeit ist nicht vorgesehen. Das sog. Bundeswehrgesetz unterscheidet dabei nicht zwischen Bildungsinstitutionen, sondern greift in die pädagogische Freiheit der Lehrkräfte ein und verletzt die Autonomie der Hochschulen. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) dazu: “Wir sind die Partei der #Bundeswehr. Deswegen wird #Bayern ein eigenes Bundeswehrgesetz auf den Weg bringen. Es soll die Bundeswehr und Wehrindustrie bei Bildung und Forschung und im Bereich der Landesplanung mit Kooperationsgeboten und bei der Berufsberatung stärken.“ (von X, Account Markus Söder)

Unterstützung kam nicht nur von der CSU, sondern auch von den Freien Wählern und der SPD, die nach anfänglichem Zögern dann doch zustimmte.

Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) verteidigte das Gesetz und erklärte: „Nicht irgendwelche Uni-Gremien“ könnten den Forschungseinrichtungen die militärische Forschung verbieten. Respekt vor der Autonomie der Hochschulen scheint hier also komplett abhandengekommen zu sein.

 

Zwang zur Kriegspropaganda im Klassenzimmer

Für Schülerinnen und Schüler bedeutet das Gesetz, dass sie und ihre Eltern nicht mehr selbst entscheiden können, ob sie in ihrer Schule auf Jugendoffiziere der Bundeswehr treffen. Diese Uniformierten dürfen ihre Vorträge halten, auch wenn Lehrkräfte und Eltern dagegen sind. Es ist ein Gesetz, das Kriegspropaganda in den Unterricht bringt.

Wie kann man sich das vorstellen? Ganz einfach: Wertvolle Unterrichtsstunden werden für das Einpflanzen von Militärideologie in junge Köpfe geopfert. Ein Zustand, der in unserer heutigen Zeit, in der wir immer noch zwei Weltkriege nicht komplett aufgearbeitet haben, unerträglich scheint. Ein Jugendoffizier erscheint dann z. B. im Klassenraum. Er spricht von „Abenteuer“, „Kameradschaft“ und „Sinnstiftung“; macht damit Lust auf soziale Geborgenheit und gesellschaftliches Vertrauen und spricht damit vor allem jene Schülerinnen und Schüler an, die das in ihrem familiären Umfeld vermissen, denen die Gesellschaft eine andere – wirklich sinnvolle – Zukunft in Aussicht stellen sollte. Er erzählt vom „sicheren Arbeitsplatz Bundeswehr“ – wer wünscht sich das nicht – aber er sagt wahrscheinlich nichts von den psychischen Traumata, PTBS und den ethischen Konflikten, die mit dem Dienst an der Waffe verbunden sind.

Schülerinnen und Schüler müssen sich anhören, wie Kriegsdienst als positiv und erstrebenswert dargestellt wird; und das ohne jede Möglichkeit, sich dieser einseitigen Darstellung zu entziehen. Sie werden damit systematisch an das Militär gewöhnt, an Uniformen in der Öffentlichkeit als „normal“ und Obrigkeitshörigkeit als gute Eigenschaft.

 

Forschung für den Krieg? Hochschulen werden entmündigt

Besonders bedenklich ist die Abschaffung der Zivilklauseln an Hochschulen. Diese Klauseln hatten Universitäten bisher die Freiheit gegeben, ihre Forschung auf zivile Zwecke zu beschränken, wobei hier klar herausgestellt sein muss, dass sie nicht von allen bayerischen Hochschulen implementiert wurde, auch wenn es von Studierendenvertretungen oft gefordert worden war (die erste war die FAU Erlangen-Nürnberg, wo der Senat 2016 die Zivilklausel in das universitäre Leitbild integrierte).

„Die Zivilklausel ist mehr als ein Paragraf in der Satzung von Universitäten - sie ist ein friedensfördender Kompass, der uns als Gesellschaft daran erinnert, wofür wir Wissenschaft und Forschung betreiben.“
Richard Ströbel, Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsgegnerInnen (DFG-VK)

Das sog. Bundeswehr-Gesetz hebt die Freiheit auf, die eigene Forschung nicht-kriegerischen Zwecken zur Verfügung stellen zu wollen. Forschungsergebnisse dürfen auf Verlangen jetzt auch für Militärisches verwendet werden.

Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) warnt sogar noch vor allzu friedliebenden Bestrebungen: „Falsch verstandener Moral-Pazifismus und der erhobene Zeigefinger bringen uns keinen Schritt weiter.“ Doch, sagen wir, der erhobene Zeigefinger ist das Mindeste, wenn nicht ein Imperativ in dieser Angelegenheit und sollte sogar mitten in die Wunde, die aufgerissen wird, gelegt werden. Friedliche Wissenschaft wird hier als naiv und rückständig dargestellt. Auch der bayerische Studierendenrat kritisierte das Gesetz als „gravierenden Einschnitt in die Freiheit der Forschung“.

 

Wenn Forschung zur Kriegswaffe wird

Die Geschichtsvergessenheit unserer Landesregierung dürfte nicht überraschen. Auch für die Gefahr, die vom sog. Bundeswehr-Gesetz ausgeht, gibt es etliche Präzedenzfälle in der Geschichte. Das Manhattan-Projekt der 1940er Jahre war ein Paradebeispiel: Wissenschaftler arbeiteten in der Überzeugung, einen wissenschaftlichen Durchbruch zu schaffen. Das Ergebnis waren die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki – Zerstörung, Tod und unvorstellbares Leid.

Das bayerische Bundeswehrgesetz wiederholt denselben Fehler: Wissenschaft wird nicht mehr für den Frieden, sondern für den Krieg instrumentalisiert.

„Seit Jahrzehnten setzen wir uns in Bayern und bundesweit für Zivilklauseln ein, die Rüstungsforschung an Universitäten unterbinden. Forschende tragen Verantwortung dafür, dass Wissenschaft dem Wohle aller Menschen dient. Ein Zwang zur Militärforschung ist ein Angriff auf die Freiheit der Wissenschaft sowie auf das Friedensgebot im Grundgesetz.“
Eduard Meusel, Wissenschaftler und Sprecher der Fachgruppe Hochschule und Forschung in der GEW Bayern

 

Minderjährige in der Bundeswehr: Ein Verstoß gegen Kinderrechte

Jedes Jahr werden in Deutschland hunderte Minderjährige für die Bundeswehr rekrutiert. Im Jahr 2024 waren es 2.203 – ein neuer Höchststand. Was veranlasst sie dazu? Viele wollen aus ihrem oft schweren Alltag ausbrechen und hoffen auf eine bessere Zukunft. Gerade Jugendliche mit prekären sozialen Hintergründen fühlen sich von der Verheißung auf Gemeinschaft, Zusammenhalt (gegen das gemeinsame Feindbild) und existentielle Sicherheit angezogen. Statt sich getrost auf den Sozialstaat verlassen zu können, auf das Sicherheitsnetz, das er spannen sollte, und statt daran zu glauben, dass es sich lohnt, gut in Schule, Ausbildung und Beruf zu sein, um sich verwirklichen zu können und ein wertvoller Mensch zu sein oder zu werden, sehen die zukünftigen Kindersoldatinnen und -soldaten keine andere Möglichkeit, als ihr Leben für ebendiesen Staat, der sie enttäuscht hat, aufs Spiel zu setzen. Absurd!

Durch das Gesetz werden immer mehr Minderjährige für eine Karriere im Militär begeistert werden und infolge als Multiplikator für andere Jugendliche dienen.

Die Vereinten Nationen kritisieren Deutschland seit Jahren für den Umgang mit minderjährigen Soldatinnen und Soldaten, die oft psychischer und physischer Gewalt ausgesetzt sind. Doch das bayerische Gesetz fördert diese Praxis sogar noch.

 

Bildung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe – und was das BSW fordert

Bildung soll Kinder und Jugendliche zu mündigen, reflektierten Bürgerinnen und Bürgern machen. Sie soll zum kritischen Denken anregen, zur Auseinandersetzung mit ethischen Fragen, zur Entwicklung von Empathie und Friedensfähigkeit. Doch ein Bildungssystem, in dem Soldatinnen und Soldaten als „Helden“ und der Militärdienst als „Abenteuer“ dargestellt werden, läuft dieser Aufgabe zuwider.

Warum sollten hochqualifizierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in dem Wissen an bayerischen Universitäten forschen, dass jederzeit und problemlos ihre Arbeit als Instrument für den Tod anderer Menschen verantwortlich sein könnte? Damit schwächt die bayerische Regierung den Wisschenschaftsstandort Bayern vehement.

Das BSW fordert, dass Bildung frei von militärischer Propaganda und kriegerischen Zwängen bleibt. Schulen und Universitäten sind Orte der Reflexion und des Friedens, nicht der Rekrutierung. Und Hochschulen müssen Orte der freien Forschung bleiben – die Schöpfungen großer Geister dürfen nicht gegen deren Willen als Waffe missbraucht werden.

 

Ein Gesetz gegen den Willen der Bürgerinnen und Bürger

Die bayerische Staatsregierung hat dieses Gesetz gegen den Widerstand der Bildungsgewerkschaft GEW, des Bayerischen Studierendenrats und zahlreicher Friedensorganisationen durchgedrückt. Ein Gesetz, das die Freiheit der Forschung und die pädagogische Freiheit der Lehrkräfte zerstört.

Deswegen wurde im Februar 2025 eine Popularklage beim Bayerischen Verfassungsgerichtshof eingereicht. Initiiert wurde sie von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK), unterstützt von zahlreichen weiteren Gruppen und prominenten Persönlichkeiten. Aus Würzburg unterstützt der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Würzburg die Klage. Die Entscheidung über die Klage steht noch aus, aber eines ist sicher: Die Diskussion um die Militarisierung der Bildung wird weitergehen.

Das BSW sagt klar:
Nein zur Militarisierung der Bildung.
Nein zur Kriegspropaganda in Klassenzimmern und Hörsälen.
Nein zum Gesetz zur Förderung der Bundeswehr in Bayern!

 

Anm. d. Red. In vorliegendem Beitrag geht es vor allem um die Auswirkungen des „Gesetz zur Förderung der Bundeswehr in Bayern“, nachzulesen übrigens hier https://www.verkuendung-bayern.de/files/gvbl/2024/14/gvbl-2024-14.pdf  auf Bildungseinrichtungen und damit verbundene Konsequenzen, wie in § 1 „Änderung des Bayerischen Hochschulinnovationsgesetzes“ und § 2 „Änderung des Bayerischen Gesetzes über das Erziehungs- und Unterrichtswesen“ festgeschrieben. §§ 3-5 (Änderung des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes , Änderung des Bayerischen Landesplanungsgesetzes , Änderung der Bayerischen Bauordnung) sind hier nicht thematisiert, was in folgenden Beiträgen evtl. nachgeholt wird. Um sich auch mit diesen wichtigen Bestandteilen des Gesetzes auseinanderzusetzen, empfehle ich die IMI-Analyse 2024/07 „Patriotismus und Ökonomie. Bayern macht die Militarisierung zum Gesetz“ von Andreas Seifert.

 

(rhü)


Mehr als 100 Gäste haben den politischen Aschermittwoch des BSW im Gasthaus Knott nahe Passau besucht. Der Saal war voll, die Stimmung aufmerksam und zugleich herzlich. Auch der Jugendverband JSW war sichtbar und gut vertreten. Und obwohl Amira Mohamed Ali und Fabio de Masi nicht aus Bayern stammen, fanden sich beide schnell in die Tradition des politischen Aschermittwochs ein: pointierte Zuspitzungen, klare Kante und dazwischen Humor, der die Botschaft nicht verwässerte, sondern auf den Punkt brachte.

Den Auftakt machte die Begrüßung durch Patrick Rostek (Mitglied im Landesvorstand BSW, Bezirksvorsitzender Niederbayern). Danach stellte Dr. Christiane Benisch (niederbayerische Co-Vorsitzende) die musikalische Begleitung vor, bevor Klaus Ernst (Mitglied im Bundesvorstand BSW, Landesvorsitzender BSW Bayern) mit einer kurzen Einordnung übernahm. Im Anschluss folgten die Hauptreden der Parteivorsitzenden Amira Mohamed Ali (Vorsitzende BSW) und Fabio de Masi (Vorsitzender BSW). Nach dem Schlusswort gab es Dank an das Organisationsteam und die Helfer vor Ort.

„Wir sind gekommen, um zu bleiben“

Patrick Rostek eröffnete den Abend als Gastgeber. Er ordnete den politischen Aschermittwoch bewusst dort ein, wo er hingehört: nicht in Scheinwerferhallen, sondern nah an den Menschen, mit direkter Sprache. Rostek begrüßte die Anwesenheit beider Parteivorsitzenden als Zeichen der Wertschätzung gegenüber Bayern. In seinem Grußwort nahm er die Kommunalwahlen in Bayern in den Blick: Neue und kleinere Parteien werden durch hohe formale Hürden ausgebremst, trotzdem wächst das BSW Schritt für Schritt – mit Bodenhaftung und klarer Linie – denn es ist, wie er sagt: „Wir sind gekommen, um zu bleiben!“

Die (wirklich!) kurze Rede von Klaus Ernst

Klaus Ernst, Mitglied im Bundesvorstand BSW und Landesvorsitzender BSW Bayern, hielt sich kurz, wie sein Vorredner mit einem Augenzwinkern bereits angekündigt hatte, wählte aber aussagekräftige Worte. Er dankte für die Unterstützung, unterstrich die Bedeutung davon, dass die Parteiführung geschlossen vor Ort ist, und setzte dann eine soziale Markierung: Wer Reformideen zur Finanzierung des Gesundheitssystems reflexhaft ablehnt, offenbare einen verlorenen sozialen Kompass. Seine Botschaft war der Übergabepunkt des Abends: Genau deswegen braucht es das BSW – als Kraft, die soziale Fragen wieder ganz oben auf die Agenda setzt.

„Quatschdebatten“: Amira Mohamed Ali über Spaltung, Alltagssorgen und falsche Prioritäten

Amira Mohamed Ali, Vorsitzende des BSW, fand sich schnell in den Ton des politischen Aschermittwochs ein: zugespitzt, humorvoll und gleichzeitig politisch sehr klar. Sie stieg mit lockerer Ansprache („Moin“) und einem Augenzwinkern ein und zeigte, dass so ein Aschermittwoch auch ohne bayerischen Dialekt funktioniert. Deutlich wurde sie dennoch und forderte einen Schlussstrich unter spalterischen Kulturkampfdebatten, die echte Probleme überdecken. Sie sprach über Rassismus im Alltag, aber auch darüber, dass man reale Integrations- und Sicherheitsprobleme benennen können muss, ohne reflexhaft in Schubladen gesteckt zu werden.

Den zweiten Schwerpunkt setzte sie bei sozialer Gerechtigkeit: Ob Kinder ein bezahlbares Mittagessen bekommen, ob Schwimmunterricht stattfindet oder ob Armut über Bildungschancen entscheidet, dürfe in einem reichen Land nicht vom Zufall abhängen. In Aschermittwoch-Manier ließ sie auch Seitenhiebe nicht aus: Aufregung über Lichterketten zum Ramadan oder über Schweinefleisch in Kitas sei nicht das Kernproblem – entscheidend sei, ob Familien überhaupt noch durch den Alltag kommen.

Politisch wurde sie sehr deutlich beim Umgang mit dem BSW: Ausgrenzung, „Schmuddelecke“, Etiketten statt Debatten – und die „Brandmauer“-Logik, bei der Inhalte zweitrangig werden, lehnte sie ab. Sie verband das mit dem Thema Wahlprüfung: Wenn es Zweifel und Fehler gibt, muss man prüfen und nachzählen lassen – Vertrauen entsteht durch Transparenz, nicht durch Abwiegeln. Am Ende verband sie das mit einem klaren Appell, denn nicht nur im Wahlkampf brauche es Geschlossenheit und Gemeinsamkeit:

„Wir müssen alle internen Konflikte, die es gibt, in diesen Wahlkämpfen hinter uns lassen und gemeinsam an einem Strang ziehen.

Das ist unsere gemeinsame Aufgabe. Liebe Freundinnen und Freunde, wir brauchen ein starkes BSW in diesem Land und zwar ganz dringend.“

„Wettschulden sind Ehrenschulden“: Fabio de Masi mit harter Kante und Aschermittwoch-Humor

Fabio de Masi, Vorsitzender des BSW, knüpfte direkt an die Aschermittwochsstimmung an und griff ein Motiv auf, das im Saal längst zum Running Gag geworden war. Beim letzten Politischen Aschermittwoch hatte er in Weißbierlaune angekündigt: Sollte das BSW durch die geforderte Neuauszählung doch noch in den Bundestag einziehen, werde er nackt über den Kurfürstendamm in Berlin laufen. Amira hatte in ihrer Rede daran erinnert und Fabio setzte direkt seine Pointe obendrauf: „Ich hatte gehofft, sie hätte es vergessen, so wie bei Olaf Scholz mit den Erinnerungslücken. Nein, aber da war nichts zu machen. Und deswegen ist natürlich klar, Wettschulden sind Ehrenschulden.“ Es geht ihm dabei allerdings nicht um die Show, sondern um eine Stimme für soziale Vernunft, wirtschaftliche Stabilität und Frieden, die in diesem Land dringend gebraucht wird.

Inhaltlich setzte de Masi bei den großen Themen an. Beim Punkt Wirtschaft und Energie kritisierte er eine Politik, die hohe Energiepreise in Kauf nimmt, Abhängigkeiten teuer verschiebt und damit Industriearbeitsplätze und Reallöhne gefährdet. Er warb außerdem für soziale Sicherung z. B. in Form einer Rentenkasse, in die alle einzahlen, und eines Gesundheitssystems, das gerecht finanziert wird, statt Leistungen zu kürzen. Hier würzte er seine Argumentation mehrfach mit zugespitzten Bildern, etwa wenn er Rechenfehler der Regierung aufs Korn nahm und die Debatte um „mehr schuften“ als weltfremd entlarvte. Zum Thema Demokratie und Debattenkultur verband er Steuerpolitik mit Demokratiefragen. Große Vermögen und Übergewinne müssten stärker in Verantwortung genommen werden, während Mittelstand und Beschäftigte entlastet werden sollten. Außenpolitisch plädierte er für Diplomatie, Abrüstungsverträge und eine nüchterne Friedenspolitik statt Angst-Rhetorik. Auch hier blieb er im Aschermittwoch-Stil: Die „Mehr arbeiten“-Rhetorik der Regierung drehte er pointiert um:

„Ich habe den Eindruck, wir haben eine Teilzeit-Regierung.“

Damit kritisiert er, dass Beschäftigte für angebliche Versäumnisse verantwortlich gemacht werden, während die Regierung naheliegende Entlastungen nicht liefert – etwa „die Stromsteuer zu senken“ – und stattdessen den Druck auf Arbeitnehmer erhöht.

Ein starkes BSW in Bayern

Der Tag bei Passau zeigte, wie gut sich klare Inhalte und Aschermittwoch-Humor verbinden lassen: pointiert, streitbar und zugleich nahbar. Mehr als 100 Gäste, eine spürbare Aufbruchstimmung und ein sichtbar aktives JSW haben deutlich gemacht: Das BSW steht in Bayern nicht am Anfang, sondern mitten im Aufbau – und geht mit Rückenwind gemeinsam stark voran!

Das Schlusswort gebührt denjenigen, die hinter den Kulissen hart daran gearbeitet haben, damit wir alle einen perfekten Aschermittwoch erleben konnten: Danke euch, Dennis Neubert und Patrick Rostek und allen anderen fleißigen Helfern!

 

Text: Rebecca Hümmer

Fotos: Johannes Hagnauer

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